Blasmusik in Unterleiterbach seit über 100 Jahren

Auf Grund mündlicher Überlieferungen unseres ältesten, wenige Jahre bis kurz vor seinem Tod am 16.04.2006 noch selbst aktiven Musikers Georg Wiemann, wird mindestens seit über 100 Jahren in Unterleiterbach zum Zwecke der Gemeinnützigkeit musiziert. Nach dessen Ausführungen sind die Unterleiterbacher :

Johann Neukum, Klarinette/Tuba (geb. 1880, gest. 1948),

Georg Morgenroth, Trompete (geb. 1884, gest. 1953) und seine Brüder Michael und Pankraz (weitere Daten nicht bekannt)

Josef Ortlauf, Baßtrompete/Kontrabass (geb. 1884, gest. 1954),

Sebastian Denk, Tuba (geb. 1886, gest. 1960),

Johann Wiemann, Tenorhorn (geb. 1903, gest. 1974; Vater von Georg Wiemann) und Franz Schütz, Posaune (geb. 1909, gest. 1942). Die ältesten noch bekannten Musiker.  

Zu der Generation, welche den eben genannten Musikern folgte, gehört u.a. neben

Michael Morgenroth, Trompete/Tuba (geb. 1909, gest. 1996),

Johann Ortlauf, Trompete/Geige (geb. 1913, gest. 1988),

Christoph Morgenroth, Schlagzeug (geb. 1922, gest. 2004) und

Georg Wiemann, Tenorhorn (geb. 1928, gest. 16.04.2006) an.  

Georg Wiemann führte selbst lange Jahre die Kapelle, bildete Jungmusiker aus und bemühte sich so um den Fortbestand der Blasmusik in Unterleiterbach. So setzte sich die Tradition der Unterleiterbacher Blasmusik von Generation zu Generation fort. Bemerkenswert ist, dass über die Jahre hinweg fast immer aus den gleichen Familien (Morgenroth, Wiemann, Ortlauf, Denk) die Musiker hervorgingen. Leider haben aber auch in den letzten Jahrzehnten sehr viele gute Musiker das Musizieren wieder aufgegeben, so dass die Blaskapelle eigentlich nie mehr als 15 Personen zählte und immer mit relativ wenig Aktiven auskommen musste.  

Um die Jahrhundertwende und später wurde meist in kleineren Besetzungen (Geige, Kontrabass, Klarinette, Baßtrompete und Trompete) musiziert. Man spielte zu kirchlichen Anlässen, bzw. zum Tanz in den heimischen, oder in den in der näheren Umgebung liegenden Gasthäusern auf. Hier wurde das tanzfreudige Publikum mit Rheinländer, Polka-Mazurka, Schottisch oder Walzer erfreut. Anscheinend gab es damals auf Grund der relativ kleinen Kapellen öfters Schwierigkeiten beim Ausfall des einen oder anderen Musikers eine spielfähige Gruppe auf die Beine zu stellen. Bei diesen personellen Engpässen halfen Musiker aus den Nachbarorten Prächting, Ebing und Zapfendorf gerne aus. Im Gegenzug unterstützten dann die Unterleiterbacher wieder die anderen Kapellen.  

Die heutige Formation könnte man mit der einer böhmischen Blaskapelle (Trompete, Flügelhorn, Tenorhorn, Bariton, Tuba, Es-Horn, und große/kleine Trommel) vergleichen. Das einzige Problem bei der Besetzung war bis vor einigen Jahren das Fehlen von Klarinetten. Der Grund dürfte darin gelegen haben, dass nur wenige Musiker aus Unterleiterbach dieses Instrument in den letzten Jahren erlernten und dieses nie über eine längere Zeit spielten. Der Schwerpunkt bei den erlernten Instrumenten lag immer bei den Blechblasinstrumenten. Doch seit dem Jahre 2002 gehören wieder Klarinetten zum Bild der Kapelle und bereichern mit ihrem Klang die böhmischen Weisen.

Zurzeit zählt die Kapelle 13 aktive Musiker, welche in erster Linie zu kirchlichen Feiern und zu den verschiedensten Anlässen im Ortsgeschehen (Sebastiani, Kirchweih, Weihnachtsfeier u.a.) ihr Können unter Beweis stellen.  

Gespielt werden bei weltlichen Festen hauptsächlich bekannte Märsche (unter ihnen der “Lätterbocher Bauernmarsch Nr. 1“), Walzer und böhmische Polkas. Hier hat vor einigen Jahren Wolfgang Bayer im Internet einen Böhmisch-Mährischen Musikverlag ausgemacht, von welchem nun einige Stücke ins Repertoire der „Lätterbocher Blosmusik“ aufgenommen wurden. Nach und nach kamen immer wieder neue Stücke hinzu, die mit Begeisterung und Hingabe gespielt werden, so dass mittlerweile ein ansehnliches Notenmaterial existiert. Zum Zwecke der Geselligkeit wurden eine Weinfahrt (2005) und Ausflüge in den Bayrischen Wald (2003 und 2005), bzw. in das Salzkammergut (2006) organisiert und durchgeführt Als musikalischer Leiter fungiert Hubert Bayer .  

Zu den bisherigen Highlights zählten die Auftritte beim Besuch von Andreas Köpke (ehem. Nationaltorhüter) in Unterleiterbach im Jahr 1993, der Auftritt anlässlich des Feuerwehrfestes in Roßdorf am Forst, Einweihung des Feuerwehrautos 2001, die Gestaltung der Prozession zum Besuch des Erzbischofs Karl Braun im Sommer 2001 und der Besuch der Landeshauptstadt Berlin im Mai 2002 und 2004.  

WB, April 2006